Störungsbilder bei Kindern

1. Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen

Sprachentwicklungsstörungen (SES) oder -verzögerungen (SEV) – auch Spracherwerbs-störung oder -verzögerung genannt – können sich als Wortschatzeinschränkungen, Wort-findungsstörungen, Schwierigkeiten beim Satzbau oder bei der richtigen Artikelauswahl äußern. Auch die Aussprache des Kindes kann betroffen sein. Dies zeigt sich meist durch die Angleichung, Auslassung oder Ersetzung einzelner oder mehrerer Laute. Des Weiteren können die auditive Merkspanne und/oder das auditive Gedächtnis gestört sein, was zu einer fehlerhaften Sprachverarbeitung führen kann. Motorische Beeinträchtigungen bei Kindern können ebenfalls eine SES oder SEV bedingen.

Welche Ursachen gibt es dafür?

Sprachentwicklungsstörungen (SES) und Sprachentwicklungsverzögerungen (SEV) treten vor Abschluss der kindlichen Sprachentwicklung auf. Sie können durch Entwicklungsstörungen, frühkindliche Hirnschädigungen, Hörstörungen, Anomalien der Sprechorgane, genetisch bedingte Krankheiten, Mehrfachbehinderungen oder eine familiäre Sprachschwäche mit Krankheitswert begründet sein.

2. Artikulationsstörungen

Bei einer Artikulationsstörung kann der Betroffene ein oder mehrere Laute nicht richtig aussprechen. Man unterscheidet phonetische und phonologische Aussprachestörungen. Kann ein Laut mundmotorisch nicht korrekt ausgesprochen werden (bspw. wenn ein Kind den s-Laut interdental -zwischen den Zähnen- bildet) spricht man von einer phonetischen Störung. Wenn ein Laut jedoch inkonsequent richtig oder falsch gebildet wird (bspw. „die Mama hat mich dedrückt“ und gleichzeitig „gib den Ball“) kann von einem sprachorganisatorischen Problem ausgegangen werden. Dies wird als phonologische Störung bezeichnet.

Welche Ursachen gibt es dafür?

Artikulationsstörungen können als Folge von Hörstörungen oder frühkindlichen Hirnschäden auftreten. Aber auch ein Ungleichgewicht der Muskelgruppen im Gesichtsbereich sowie Zahnfehlstellungen können Lautfehlbildungen verursachen.

3. Myofunktionelle Störungen

Myofunktionelle Störungen sind funktionell oder organisch bedingte Störungen der Mund- und Gesichtsmuskulatur und aller am Schlucken beteiligten Strukturen (Kiefer, Lippen, Gaumen). Die Mund- und Gesichtsmuskulatur zeigt sich dabei oft hypoton (schwach). Beim Schlucken drückt die Zunge vorn gegen die Frontzähne und nicht nach oben gegen den Gaumen. Häufig ist es der Zahnarzt, der Kieferorthopäde oder Ihr Kinderarzt, der diese Abweichungen bei Ihrem Kind beobachtet und darauf hin eine sprachtherapeutische Behandlung empfiehlt.

Welche Ursachen gibt es?

Grund für eine Myofunktionelle Störung kann eine offene Mundatmung anstelle der zu bevorzugenden Nasenatmung sein. Aber auch vergrößerte Mandeln und Polypen, ein angeborenes fehlerhaftes Schluckmuster und eine schlaffe Gesamtkörperhaltung sowie das Daumenlutschen können zu einer beeinträchtigten Mundmuskulatur führen.

4. Stottern und Poltern bei Kindern

Beim Stottern kommt es im Redefluss des Kindes zu Laut-, Silben- oder Wortwiederholungen, Dehnungen des Wortes oder totale Blockierungen vor oder während der Aussprache eines Wortes. Oftmals leiden Betroffene stark unter der Störung. Gerade Kinder sind in der Schule gefährdet zu Sonderlingen zu werden. Dies führt wiederum bei den kleinen Patienten zu einem Vermeidungsverhalten, in dem sie teilweise das Sprechen ganz verweigern oder dass sie andere Wörter mit ähnlichem Inhalt verwenden. In schweren Fällen sind mimische und / oder körperliche Mitbewegungen zu beobachten.

Als Poltern wird ein überhasteter und beschleunigter Sprechablauf bezeichnet, der durch eine undeutliche und verwaschene Aussprache gekennzeichnet ist. Diese Störung des Sprechens geht meist mit einem ausgeprägten Störungsbewusstsein einher, da die Betroffenen häufig von ihrem Umfeld darauf hingewiesen werden.

Welche Ursachen gibt es?

Sowohl beim Stottern als auch beim Poltern gibt es hirnorganische Ursachen. Das Stottern hat zusätzlich psychische und erbliche Hintergründe. Beim Poltern konnte dies bisher noch nicht nachgewiesen werden. Bei beiden Störungsbildern spielt in der Therapie die Dauer der vorliegenden Störung eine Rolle. Denn je länger der Patient mit der falschen Sprechweise lebt, umso schwieriger wird es ihm fallen, sich an das neue, physiologisch korrekte Sprechmuster zu gewöhnen.

5. (S)elektiver Mutismus

Mutismus ist eine kombinierte Angst- und Kommunikationsstörung, bei der Kinder, Jugendliche oder Erwachsene in bestimmten Situationen und/oder gegenüber bestimmten Personen schweigen, obwohl sie sprechen können. Die physiologischen Voraussetzungen zum Sprechen müssen gegeben sein. In bekannten Situationen und gegenüber einem ausgewählten Personenkreis wird gesprochen. Die Störung geht in vielen Fällen mit einer Sozialphobie einher. In vertrauter Umgebung können die Betroffenen ganz unbeschwert reden und tun dies dann auch überdurchschnittlich viel, um das an anderer Stelle auftretende Schweigen zu kompensieren.

Welche Ursachen gibt es?

Eine direkte Ursache für das situations- und personenbezogene Schweigen ist bisher nicht bekannt. Bei der Entstehung und Verfestigung des Krankheitsbildes sind psychologische und physiologische Faktoren beteiligt. So wird bei der Frage nach der Ursache neben der Entwicklung auch das Umfeld des Kindes betrachtet. Eine umfangreiche Familienanamnese hilft bei der Feststellung einer familiären Disposition.

Weitere wichtige Informationen zu diesem Thema finden sie unter: www.mutismus.de

6. Dyslexie und Dysgraphie (LRS)

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7. Sprachstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit körperlichen und/ oder geistigen Behinderungen

Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen sind in den meisten Fällen auch von einer Beeinträchtigung der Sprache oder des Sprechens betroffen. Dabei treten sowohl Sprachentwicklungsstörungen oder -verzögerungen, Dysphasien, Dysarthrophonien oder Schluckstörungen auf. Bei vielen Betroffenen ist die Sprachstörung sowohl auf eine verzögerte Entwicklung als auch auf die Unfähigkeit der Koordination der verschiedenen Nerven und Muskeln, die am Sprechvorgang beteiligt sind, zurückzuführen.

Bei Menschen mit Mehrfachbehinderungen ist ein Erwerb der Lautsprache oftmals nicht möglich oder es werden nur wenige Wörter oder Phrasen gesprochen. Meist stellt sich jedoch heraus, dass ein Verstehen der Sprache eingeschränkt möglich ist. Ist dies der Fall, kann gemeinsam ein Kommunikationssystem erstellt werden, welches dem Betroffenen und seinen Angehörigen hilft, einander zu verstehen. So können endlich Bedürfnisse geäußert, Gesprächsthemen bestimmt und Gefühle „ausgesprochen“ werden.

Welche Ursachen gibt es?

Die Ursachen für Behinderungen können vielseitig sein. Sie können genetisch bedingt sein (z.B. Down-Syndrom, Pierre-Robin-Syndrom o. Hallervorden-Spatz-Syndrom). Pränatale Läsionen im Gehirn entstehen durch Vireninfektionen vor der Geburt. Perinatale Schädigungen treten bei einer Unterversorgung mit Sauerstoff oder Nabelschnur-komplikationen während der Geburt auf. Postnatal können Beeinträchtigungen des Gehirns durch Blutungen, als Krankheitsfolgen (z.B. bei Meningitis) oder als Unfallfolgen entstehen. Auch Störungen im Fett- oder Eiweißstoffwechsel oder im Hormonhaushalt können geistige Behinderungen hervorrufen und werden als neurometabolisch-degenerative Erkrankungen bezeichnet.

8. Sprachstörungen im Kontext von Mehrsprachigkeit

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Störungsbilder bei Erwachsenen

1. Aphasie

Die Aphasie ist eine Störung der Sprache nach vollzogenem Spracherwerb. Sie tritt plötzlich nach Beeinträchtigung des Gehirns auf. Die Organisation und Verarbeitung der Sprache ist betroffen und wirkt sich auf alle damit verbundenen Modalitäten aus (Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben). Es wird in verschiedene Syndrome unterschieden, die bezeichnen, welche Areale der Sprachzentren geschädigt sind. Das Broca-Areal ist zuständig für die Produktion der Sprache. Ist dieser Bereich beeinträchtigt, ist hauptsächlich das Sprechen und Schreiben gestört. Dies wird als Broca-Aphasie bezeichnet. Für Verstehen von Sprache ist das Wernicke-Areal verantwortlich. Eine Wernicke-Aphasie beeinträchtigt also vorwiegend das Verstehen und Lesen von Sprache. Sind beide Areale betroffen, spricht man von einer globalen Aphasie. Dabei sind alle vier Modalitäten gestört. Bei einer amnestischen Aphasie sind nur wenige Symptome erkennbar und wird auch als Restaphasie bezeichnet. Sie wird hauptsächlich durch Wortfindungsstörungen gekennzeichnet. Die Aphasie ist eine chronische Erkrankung, die mit hoher Therapiefrequenz behandelt werden sollte. Studien belegen, dass eine intensive sprachtherapeutische Behandlung eine Verbesserung der Sprache und der Kommunikation ermöglicht.

Welche Ursachen gibt es?

Aphasien treten nach einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder als Operationsfolge bei Tumorresektionen auf. Die Beeinträchtigung des Gehirns liegt bei fast allen Patienten auf der linken Hemisphäre, da dort beide Sprachzentren angesiedelt sind.

2. Dysarthrie (auch Dysarthrophonie oder Dysarthropneumophonie)

Die Dysarthrie ist im Gegensatz zur Aphasie eine Störung des Sprechens. Die Organisation und Verarbeitung der Sprache ist nicht betroffen. Durch die Beeinträchtigung der am Sprechen beteiligten Nervenfasern, die für die Planung und die Umsetzung des motorischen Ablaufes zuständig sind, kommt es zu einer verwaschenen, undeutlichen bis zur unverständlichen Sprechweise. Dabei können sowohl die Sprechatmung, die Stimmgebung und die Artikulation in Mitleidenschaft gezogen werden. Zu den Artikulationsorganen gehören Lippen, Zunge, Kiefer und Gaumensegel, deren Koordination beim Sprechablauf beeinträchtigt wird. Je nach Grunderkrankung kann ein zu hoher oder zu geringer Muskeltonus für die gestörte Sprechweise mitverantwortlich sein.

Da es sich bei der Dysarthrie um eine Störung des motorischen Systems handelt, was zu einer Schwächung, Verlangsamung, Dyskoordination und/oder Tonusveränderung der betroffenen Muskulatur führt, ist bei den Patienten meist nicht nur das Sprechen betroffen. Auch das Kauen, das Schlucken, die Mimik sowie die Gliedmaßenmotorik, also alle motorischen Aktivitäten, in deren Kontrolle das jeweils gestörte motorische Subsystem involviert ist, können in Mitleidenschaft gezogen werden.

Welche Ursachen gibt es?

Dysarthrien/Dysarthrophonien können nach cerebralen Durchblutungsstörungen, z.B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder als Operationsfolgen nach Tumorresektionen auftreten. Auch Tumorerkrankungen oder Entzündungen im Gehirn können sie hervorrufen. Des Weiteren führen infantile Cerebralparesen aber auch degenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson, choreatische Krankheitsbilder, Amyotrophe Lateralsklerose, Bulbärparalyse, Myasthenia gravis zu Dysarthrien.

3. Sprechapraxie

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4. Dysphagie

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